Buchenholz geschnitzt, Eisen, Beamer 118x156x66cm 2022

„Stammzellen Fleisch“ ist eine hybride Skulptur, die an der Grenze zwischen Natur, Körper und Maschine operiert. Der Torso – aus Buchenholz geschnitzt, das lange Zeit im Wald lag und durch Pilze eine einzigartige, fast fleischähnliche Maserung erhielt – bildet den Kern des Werkes. Es ist bewusst ein Frauentorso, eine Form, die in der Kunstgeschichte über Jahrhunderte hinweg idealisiert, ästhetisiert und zugleich fragmentiert wurde. Der weibliche Körper wurde nicht nur in der Kunst, sondern auch im realen Leben immer wieder zum Objekt patriarchaler Machtstrukturen, zum Symbol des Begehrens, zur Projektionsfläche und zum Körper, über den bestimmt und verfügt wurde. Diese historische und gesellschaftliche Schieflage wirkt bis in unsere Gegenwart hinein – die Gleichstellung bleibt nach wie vor unvollendet.
In meiner Arbeit ist der Körper fragmentiert: Kopf, Arme und Beine fehlen. Ihre Funktionen werden ersetzt durch eine technische Überformung. Anstelle des Kopfes tritt ein Beamer, während die Gliedmaßen durch verschweißte Metallstäbe in Form roboterhafter Krabbelbeine ergänzt sind. Die Gestalt erinnert an ein Insekt, ein Roboter oder ein noch nicht definiertes zukünftiges Wesen – etwas zwischen Mensch, Maschine und Tier. Das Fragmentieren des Frauenkörpers ist hier nicht Fortführung, sondern radikale Brechung einer patriarchalen Tradition: Der Körper wird nicht zum Objekt des Blicks, sondern zum Träger einer neuen, hybriden Existenzform, in der biologische und technische Strukturen ineinandergreifen.
Die Projektion des Beamers erweitert die Skulptur in eine weitere Dimension. Gemeinsam mit meinem Sohn, dem Berliner Musiker und Videokünstler Phil the Moonkid, habe ich einen Film geschaffen, der menschlich-biologische und maschinelle Spannungen thematisiert. Seine eigens komponierte Musik verstärkt diese Symbiose von Bild, Klang und Skulptur. So entsteht ein immersiver Erfahrungsraum, in dem organisches Wachstum, technologische Konstruktion und künstlerische Imagination zu einer Einheit verschmelzen.
„Stammzellen Fleisch“ thematisiert die fragile Schnittstelle zwischen Biologie und Technologie – zwischen dem, was wir als „natürlich“ empfinden, und dem, was zunehmend aus künstlichen Systemen entsteht. Der Titel verweist dabei auf die Idee der Stammzelle als Ursprung alles Lebendigen, zugleich aber auch als Projektionsfläche für die menschliche Sehnsucht, Leben künstlich zu steuern, zu verlängern oder neu zu erschaffen.
Gleichzeitig eröffnet das Werk einen feministischen Diskurs: Der Frauenkörper als jahrhundertealtes Symbol für Schönheit, Unterwerfung und Ausbeutung wird hier transformiert in ein Subjekt, das seine eigene hybride Zukunft verkörpert. Er ist nicht länger passiv, sondern aktiv Teil einer Vision, in der Mensch, Maschine und Geschlecht neu verhandelt werden müssen.
